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Gold – Kampf um die 200-Tagelinie noch nicht entschieden
Ausgehend vom dreifachen Tiefpunkt um 1.615 USD gelang dem Goldpreis in den letzten sieben Wochen eine starke Erholung, welche bislang in einem 5-Monatshoch um 1.824 USD am 13.Dezember gipfelte.

1. Rückblick

Ausgehend vom dreifachen Tiefpunkt um 1.615 USD gelang dem Goldpreis in den letzten sieben Wochen eine starke Erholung, welche bislang in einem 5-Monatshoch um 1.824 USD am 13.Dezember gipfelte. Der Weg dorthin war zunächst von einer scharfen und „Short-Squeeze-artigen Rally“ gekennzeichnet. Seit einem ersten Zwischenhoch um 1.786 USD am 15.November fällt der weitere Anstieg seitdem jedoch immer zäher und fahriger aus.

Letztlich kämpfen die Goldbullen und Goldbaren seit dem 1.Dezember in einem wilden Hin- und Her um die immer noch klar fallende 200-Tagelinie (1.784 USD). Dadurch ergibt sich für den Dezember eine seitwärts verlaufende Handelspanne zwischen 1.770 USD und 1.820 USD. Auch wenn die Kurse mit aktuell 1.816 USD mehr als 30 USD oberhalb der 200-Tagelinie handeln, ist eine eindeutige Entscheidung noch nicht gefallen. Der neuerliche Anstieg bis auf fast 1.824 USD am gestrigen Mittwoch zeigt jedoch, dass die Bullen bislang nicht gewillt sind, einem gesunden Rücksetzer Platz zu machen. 

Silber in US-Dollar, Tageschart vom 22. Dezember 2022. Quelle: Tradingview

Im Gegensatz dazu präsentierte sich Silber im gleichen Zeitraum extrem stark. Letztlich gelang dem Silberpreis ausgehend vom Tief bei 17,56 USD am 1.September sogar eine Erholung um über 38% bis auf 24,29 USD. Die 200-Tagelinie (21,17 USD) haben die Silberbullen dabei schon lange zurückerobert. Die Warnsignale auf dem Tageschart nehmen nun aber täglich zu und ein Rücksetzer bis zur fallenden 200-Tagelinie muss eingeplant werden. 

Getragen wird die gesamte Erholung bei den Edelmetallen von der Korrektur beim US-Dollar. Dieser war praktisch ab Jahresbeginn bis Ende September fast non-stopp gestiegen. Der Euro verlor beispielsweise von 1,136 USD bis auf 0,953 USD über 16% gegen den Greenback. Die völlig überkaufte Lage sorgte in den letzten drei Monaten jedoch für eine satte Erholungsrally beim Euro und eine deutliche Korrektur beim US-Dollar.

Kurz vor dem Jahreswechsel bleibt die Frage im Raum, ob die Rallyes bei den Edelmetallen und an den Aktienmärkten lediglich eine Gegenbewegung darstellen oder ob möglicherweise im Herbst in allen Marktsektoren ein wichtiger Trendwendepunkt erreicht wurde.

2. Chartanalyse Gold in US-Dollar

2.1 Wochenchart: Notierungen laufen in einen Keil

Gold in US-Dollar, Wochenchart vom 22. Dezember 2022. Quelle: Tradingview

Nach der siebenwöchigen Erholungsrally am Goldmarkt hat sich die Ausgangslage auf dem Wochenchart natürlich aufgehellt. Trotzdem kann die seit dem August 2020 laufende Korrektur noch nicht als beendet erklärt werden. Dazu bräuchte es als ultimative Bestätigung ein neues Allzeithoch mit Kursen oberhalb von 2.075 USD. Bis dahin fehlen aktuell rund 260 USD bzw. rund 14%.

In jedem Fall sorgte der Dreifachboden seit Anfang November für eine deutliche Erholung. Allerdings läuft sich diese Rally seit Anfang Dezember zunehmend fest und verliert an Dynamik. Dass es sich bei dem Anstieg der letzten Wochen lediglich um eine Gegenbewegung handelt, muss also weiter eingeplant werden. Sollte der Dreifachboden hingegen tatsächlich der Abschluss der über zwei Jahre währenden Korrektur gewesen sein, dann müsste sich der Goldpreis grundsätzlich bereits auf dem Weg in Richtung der Marke von 2.000 USD befinden. 

Auf der Suche nach mehr Klarheit dürfte der nächste Rücksetzer am Goldmarkt wichtige Informationen liefern. Kann sich der Goldpreis idealerweise schon um 1.730 bis 1.750 USD bzw. spätestens um 1.680 USD fangen, bleibt das Ende der zweijährigen Korrektur das präferierte Szenario. Fallen die Goldkurse hingehen erneut unter 1.680 USD, zieht sich die Korrektur weiter in die Länge und könnte mittelfristig sogar nochmal neue Tiefs um und unterhalb von 1.600 USD liefern.

Auf Sicht der kommenden Wochen mahnen die überkaufte Stochastik sowie der sich abzeichnende Keil in jedem Fall zur Vorsicht am Goldmarkt. Grundsätzlich wäre ein Rücksetzer gesund und sogar wünschenswert. Denn nur so kann der Goldmarkt wieder Kraft tanken für weitere Anstiege. Sollte das Ganze zügig über die Bühne gehen, könnten die Goldnotierungen bis zum Frühjahr im optimistischsten Fall sogar schon wieder an die Marke von 2.000 USD anklopfen. Realistischer wäre jedoch ein unmittelbar anstehender tiefer Rücksetzer, der das Wiedersehen mit der Marke von 2.000 USD deutlich nach hinten verschiebt.

Insgesamt ist der Wochenchart zwar noch bullisch, die Warnsignale sind aber unüberhörbar. Frühestens bei Kursen um 1.750 USD wäre die kurzfristige Überhitzung abgebaut.

2.2 Tageschart: Kampf um die 200-Tagelinie noch nicht entschieden

Gold in US-Dollar, Tageschart vom 22. Dezember 2022. Quelle: Tradingview

Auf dem Tageschart oszilliert der Goldpreis seit Anfang Dezember um seine fallende 200-Tagelinie (1.784 USD). Zwar konnten die Bullen die Notierungen meist oberhalb dieses vielbeachteten Durchschnitts halten, eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Gleichzeitig ist der Stochastik Oszillator überkauft und das obere Bollinger Band (1.830 USD) lässt nur noch wenig Spielraum auf der Oberseite. Auf den kürzeren Zeiteinheiten (1h und 4h Charts) nehmen die negativen Divergenzen zu.

In der Summe ist das Chancen/Risiko-Verhältnis für die Bullen momentan äußerst ungünstig. Auf Basis der aktuellen Koordinaten der Erholungsrally (Tief 1.616 USD und Hoch 1.824 USD) wäre eine gesunde Korrektur zumindest bis zum 38,2%-Retracement bei 1.742 USD zu erwarten. Erst unterhalb von 1.680 USD trübt sich das Bild wieder massiv ein.


3. Terminmarktstruktur Gold

Commitments of Traders Report für den Gold-Future vom 20. Dezember 2022. Quelle: Sentimenttrader

Laut des aktuellen CoT-Reports betrug die Netto-Shortposition der kommerziellen Marktteilnehmer am 13.Dezember kumuliert 138.529 leerverkaufte Kontrakte. Damit hat sich die Lage am Terminmarkt wieder leicht eingetrübt, denn erst unterhalb von 100.000 leerverkauften Kontrakten kann man von einem nachhaltig bullischen CoT-Report sprechen.

Zusammengefasst ist der CoT-Report als neutral einzustufen.


4. Sentiment Gold

Sentiment Optix für Gold vom 20. Dezember 2022. Quelle: Sentimenttrader

Aufgrund der über 200 USD starken Erholung hat sich die Stimmung am Goldmarkt in den letzten Wochen wieder deutlich aufgehellt. Im langfristigen Vergleich ist das Sentiment zwar immer noch auf recht tiefen Niveaus, eine antizyklische Chance liegt derzeit aber nicht mehr vor. Trotzdem muss man sich nochmals in Erinnerung rufen, dass der Goldpreis ab dem August 2018 mit einer ähnlich ausgebombten Stimmungslage im Rücken in den folgenden zwei Jahren um über 900 USD bzw. ca. 80% ansteigen konnte.

Insgesamt ist das Sentiment neutral.


5. Saisonalität Gold

Saisonalität für den Goldpreis über die letzten 54 Jahre vom 20. Dezember 2022. Quelle: Sentimenttrader

Aus der saisonalen Perspektive begann Mitte Dezember eine äußerst vielversprechende Phase für den Goldpreis, welche in der Vergangenheit meist deutliche Anstiege bis in den Februar hinein lieferte.

Die Saisonalität für die Gold- und Silbermärkte ist daher bis Ende Februar klar bullisch.


6. Makro-Update – Ein äußerst schwieriges Jahr neigt sich seinem Ende zu

Relative Performance im Jahr 2022 vom 22. Dezember 2022. Quelle: finviz

Ein äußerst schwieriges und herausforderndes Jahr 2022 neigt sich seinem Ende zu. Der Russland-Ukraine Krieg, hohe Energiepreise und extreme Inflationsraten, die Folgen der Corona-Krise als auch die Verwerfungen in China sorgten für viel Stress an den Kapitalmärkten. Das Ende der vierzigjährigen Niedrigzinsphase bekamen vor allem die Rentenmärkten mit einem brutalen Ausverkauf zu spüren. Die Zinsen für die 10-jährige US-Staatsanleihe schnellten von 1,5% bis auf 4,33% und liegen aktuell mit 3,64% mehr als doppelt so hoch wie zum Jahresbeginn.

Auch die Entwicklung an den Aktienmärkten war teilweise desaströs. Meta (Facebook) verlor seit dem 1.Januar -64%, Amazon -48% und Apple -24%. Der Bitcoin notiert -58% tiefer. Die Realwirtschaft hingegen bekommt diese schlechten Vorgaben erst mit einer deutlichen Verzögerung langsam, aber sicher zu spüren und hat im kommenden Jahr noch viel nachzuholen (Stichwort: Massenentlassungen). Die Rezession ist bereits da, die geschönte Zahlenakrobatik des Mainstreams verschleiert die Wahrheit aber noch. Eine nachhaltige Änderung der restriktiven Geldpolitik ist derzeit weder in den USA noch in der Eurozone in Sicht. Vielmehr steigen nun auch in Japan die Zinsen, womit die im weltweiten Finanzsystem vorhandene Liquidität insgesamt weiter abnimmt.

Trotzdem konnten sich die Edelmetallpreise in diesem schwierigen Umfeld recht gut halten. Obwohl der Jahresverlauf ein Hoch bei 2.070 USD und ein Tief bei 1.615 USD brachte, handelt der Goldpreis letztlich kaum verändert im Vergleich zum Jahresauftakt (1.828 USD). Silber und Platin liegen sogar mit einem kleinen Plus vorne. Das konjunktursensible Kupfer hingegen verzeichnet einen Jahresverlust von 14,75%.

Insgesamt sind die niedrigen Bewertungen in vielen Sektoren mittel- bis langfristig sicherlich eine Chance. Trotzdem sehen wir auf Sicht der kommenden Monate zunächst weiterhin große Risiken und keine unmittelbare Rückkehr zu den boomenden Vorjahren. Stattdessen entweicht der größten Blase aller Zeiten weiterhin die heiße Luft. Wie lange die US-Notenbank ihre aggressive Geldpolitik noch durchziehen kann, steht dabei in den Sternen. Wir vermuten nach wie vor, dass es im Laufe des nächsten Jahres ein hartes Umschwenken in der US-Geldpolitik geben wird, da man dann aufgrund der kollabierenden Wirtschaft zur Schadensbegrenzung gezwungen sein wird. Die starke Erholung seit Mitte Oktober hat die Kehrtwende in der Geldpolitik allerdings vermutlich leicht nach hinten verschoben. Somit bleibt es grundsätzlich bei unserer „Risk-off“ Einstellung.


7. Fazit: Gold – Kampf um die 200-Tagelinie noch nicht entschieden

Im Fazit liefern die Finanzmärkte zwar einen halbwegs versöhnlichen Jahresausklang, die grundliegenden Probleme sind damit aber nicht gelöst. Bis zum Jahresende wird über die handelsarmen Feiertage vermutlich nicht mehr viel passieren. Der Jahresauftakt und insbesondere die richtungsweisenden ersten Wochen des neuen Jahres dürften aber schon wieder spannend werden.

Wir vermuten, dass am Goldmarkt die Luft kurzfristig dünn geworden ist und ein Rücksetzer ansteht. Erst ein solider Tagesschlusskurs oberhalb von 1.830 USD würde wohl nochmal weiteres Anstiegspotential in Richtung 1.900 USD freischalten. Wahrscheinlicher erscheint uns momentan jedoch, dass erst über den Umweg tieferer Kurse im Bereich um 1.750 USD eine mittelfristige Richtungsentscheidung möglich wird.

Unabhängig von den kurz- bis mittelfristig Aussichten sind wir vor allem für die zweite Hälfte des kommenden Jahres optimistisch, denn sobald das typische 8-Jahres-Tief am Goldmarkt klar etabliert ist, dürfte eine starke Aufwärtsbewegung mit neuen Allzeithochs folgen.


Florian Grummes

Edelmetall- und Krypto-Experte

www.midastouch-consulting.com

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Quelle: www.celticgold.de

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