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Gold – Mehrmonatige Korrekturphase hat vermutlich begonnen
Der Goldpreis konnte ausgehend vom letzten markanten Tiefpunkt am 28.Januar bei 1.780

1. Rückblick

Der Goldpreis konnte ausgehend vom letzten markanten Tiefpunkt am 28.Januar bei 1.780 USD innerhalb von nicht ganz sechs Wochen um 290 USD bzw. 16,2% deutlich anziehen. Der Hochpunkt wurde am 8.März mit 2.070 USD erreicht und verfehlte das Allzeithoch vom August 2020 nur knapp um 5 USD. 

Gold in US-Dollar, 4-Stundenchart vom 18. März 2022. Quelle: Tradingview


Direkt im Anschluss war eine brachiale Umkehr zu beobachten, welche den Goldpreis in nur wenigen Tagen um fast 8,5% bis auf 1.895 USD korrigieren ließ. Ausgehend von diesem Tief melden sich die Bullen im Anschluss an den US-Zinsentscheid am 16.März wieder zurück und erzwangen eine schnelle Rücker an die Marke von 1.950 USD. Knapp darunter konsolidiert der Goldpreis momentan die wilde Achterbahnfahrt der letzten zwei Wochen, die sicherlich nichts für schwache Nerven war.


Die spannende Frage lautet nun, ob der Goldpreis entweder gemäß seinem saisonalen Muster einen wichtigen Hochpunkt im Frühling erreicht hat und somit am Beginn einer mehrmonatigen Korrektur steht oder ob die geopolitische Dramatik weiter zu nimmt und damit der Sprung in ungekannte Preisregionen in diesem Frühjahr erst noch bevorsteht.


2. Chartanalyse Gold in US-Dollar

2.1. Wochenchart: Erste Verkaufssignale


Gold in US-Dollar, Wochenchart vom 18. März 2022. Quelle: Tradingview


Seit dem 28.Januar 2022 ist der Goldpreis mit sechs großen Wochenkerzen nach oben geeilt. Insbesondere ab der zweiten Februarwoche konnte dabei das obere Bollinger Band immer weiter nach oben aufgebogen werden. Normalerweise sind vier bis fünf Kerzen in Folge außerhalb der Bollinger Bänder das Maximum und auf den Gesamtverlauf eines Marktes betrachtet sowieso schon eine Seltenheit. 


Und so war die 5.Kerze in der Vorwoche mit einer Spitze von 2.070 USD und einem Tief von 1.958 USD statistisch betrachtet eine absolute Seltenheit und nicht haltbar. Dementsprechend hart und schnell folgte die Korrekturbewegung. Die dadurch entstandene große Umkehrkerze spricht eindeutig für das Ende der Aufwärtswelle, welche ihren Ursprung schon am 9.August 2021 mit dem damaligen Flash-Crash im asiatischen Handel bei 1.678 US-Dollar hatte. Insgesamt ist der Goldpreis seitdem um über 390 USD angestiegen und hat nun wohl das Top dieser Aufwärtswelle erreicht.


Nicht ganz abgearbeitet wurde bislang allerdings das Kursziel aus der umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter Formation im Bereich um 2.125 USD. Sollte der Goldpreis nun in eine mehrmonatige Korrekturphase eintauchen, verschiebt sich diese Zielmarke deutlich in die Zukunft.


Summa summarum häufen sich die Umkehrsignal auf dem Wochenchart. Noch kann sich die Stochastik tapfer an der überkauften Marke halten, insbesondere die Umkehrkerze der Vorwoche hinterlässt aber einen sehr faden Beigeschmack. In einer mehrmonatigen Korrektur wäre der Rücklauf an die Nackenlinie der umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter Formation im Bereich zwischen 1.820 USD und 1.850 USD realistisch. An der Marke von 1.833 USD wartet zudem das klassische 61,8%-Retracement der gesamten Aufwärtswelle (von 1.678 USD bis auf 2.070 USD). 

2.2. Tageschart: Überverkaufte Lage lässt Erholung bis ca.2.000 USD zu


Gold in US-Dollar, Tageschart vom 18. März 2022. Quelle: Tradingview


Auf dem Tageschart konnte der Goldpreis einen Teil der Kursverluste schnell wieder aufholen. Bislang haben es die Bullen mit 1.950 USD aber noch nicht mal bis zum 38,2%-Retracement um 1.960 USD geschafft. Ein Kursanstieg über diese Marke signalisiert zunächst mehr Erholungs- und damit Aufwärtspotenzial, unabhängig davon, ob sich der Goldpreis im größeren Bild tatsächlich schon in einer Korrektur befindet. 


Gelingt die Rückkehr über 1.960 USD allerdings nicht, wäre dies ein klares Zeichen der Schwäche. Dann drohen schnell weitere Kursverluste. Da der Stochastik-Oszillator allerdings bereits halbwegs überverkauft ist, stehen die Chancen für eine größere Erholung tatsächlich recht gut. Oberhalb von 1.960 USD werden Kursziele im Bereich zwischen 2.000 USD und 2.225 USD aktiviert. 


Insgesamt überwiegen die Chancen auf dem Tageschart. Eine Erholung bis auf ca. 2.000 USD erscheint kurzfristig realtisch. Erst im Anschluss sollte die Korrektur wieder Fahrt aufnehmen. Das mittelfristige Ziel wäre dann die steigende 200-Tagelinie (1.814 USD), welche bis zum Frühsommer im Bereich um 1.840 USD bis 1.850 USD angekommen sein sollte.


3. Terminmarktstruktur Gold


Commitments of Traders Report für den Gold-Future vom 16. März 2022. Quelle: Sentimenttrader

Nachdem die kumulierte Netto-Shortposition der kommerziellen Marktteilnehmer im Jahr 2021 die meiste Zeit knapp über der Marke von 200.000 leerverkauften Kontrakten pendelte, sorgte die steile Rally in den letzten Wochen für eine deutliche Verschlechterung der Ausgangslage am Gold-Terminmarkt. 


So haben die professionellen Händler zum Dienstag, den 8.März, ihre Netto-Leerverkaufsposition deutlich auf 306.946 Kontrakte erhöht. Nicht verwunderlich ist daher die scharfe Korrektur in den letzten Tagen. Solange die COMEX und der dortige Papiergoldhandel nicht zusammenbrechen, müssen wir nun davon ausgehen, dass es erst einen deutlich tieferen Goldpreis benötigen wird, bevor die kommerziellen Marktteilnehmer wieder zumindest eine halbwegs neutrale Positionierung aufweisen werden. Bis zu einer idealen antizyklischen Engstelle wie im August 2018 ist es aktuell noch ein sehr weiter Weg.


Zusammengefasst liefert der CoT-Report ein Verkaufssignal. Zur Bereinigung wird es einen deutlich niedrigeren Goldpreis benötigen.


4. Sentiment Gold


Sentiment Optix für Gold vom 16. März 2022. Quelle: Sentimenttrader


Nachdem das Sentiment am Goldmarkt Mitte Dezember wohl vor allem als „genervt“ bezeichnet werden konnte, sorgte die starke Rally der letzten Wochen natürlich für eine deutliche Zunahme der Optimisten. Von einer extremen Ausgangslage kann man derzeit nicht sprechen, aber nach dem die Sentiment-Hochpunkte seit über eineinhalb Jahren am Fallen waren, gab es nun mal wieder ein halbwegs vernünftiges Stimmungshoch 


Insgesamt steht die Sentiment-Ampel derzeit auf orange. Die Behauptung, dass die Korrektur am Goldmarkt erst durch eine finale und vollständige Sentiment-Kapitulation beendet werden kann, steht weiterhin zu Recht im Raum.


5. Saisonalität Gold


Saisonalität für den Goldpreis über die letzten 54 Jahre. Stand 16. März 2022. Quelle: Sentimenttrader


Die saisonale Komponente steht auf Sicht der kommenden Monate unter sehr ungünstigen Vorzeichen. Bislang passt das Kursgeschehen in diesem Jahr mustergültig in den über viele Jahrzehnte etablierten saisonalen Fahrplan. Demnach hat der Goldpreis pünktlich im März das Hoch einer mehrmonatigen Rally erreicht und sollte nun bis zum Früh- bzw. Hochsommer in eine Korrekturphase abgleiten. Diese kann zwar ein bis zwei starke Erholungsbewegungen beinhalten, unterm Strich sollte es in Bälde aber mit zwischengeschalteten zähen Seitwärtsphasen unterm Strich gen Süden gehen.


Zusammengefasst stehen dem Goldmarkt nun aus der saisonalen Perspektive vier bis fünf schwierige Monate bevor. Erst ab Juli bzw. August dreht die Statistik hier wieder auf grün.


6. Makro-Update und Crack-Up-Boom


US-FED-Bilanz vs. Fed-Zinssatz vom 16.März 2022 ©Holger Zschaepitz

Bislang steht das Jahr 2022 voll im Zeichen von deutlich gestiegenem Risiko und sehr volatilen Finanzmärkten. Während die Aktienmärkte und der Krypto-Sektor stark unter die Räder kamen, waren Rohstoffe und Edelmetalle die Krisengewinner. Neben den geopolitischen Spannungen aufgrund des Kriegs in der Ukraine sorgt vor allem die immer weiter steigende Inflation für zunehmenden Stress im System. 

Um die Inflation zu bekämpfen hat die amerikanische Zentralbank nach monatelangen Ankündigungen am letzten Mittwoch erstmals seit drei Jahren die Zinsen wieder angehoben und sechs weitere Zinserhöhungen im Jahr 2022 prognostiziert sowie das Ende ihres massiven Anleihekaufprogramms angekündigt. Der Zinsschritt von 0,25% ist allerdings minimal und kaum dazu geeignet, um die Inflation wirklich in Schach zu halten. Vielmehr ging es darum, nach vielen Worten nun mit Taten das Gesicht zu wahren.

Die Inflationsspirale ist jedoch bereits voll im Gange und wir können nicht erkennen, wie diese angesichts der Rohstoff- und insbesondere Energieknappheit wieder deutlich fallen soll. Im Gegenteil, Preiserhöhung sind nun überall gang und gebe. Insbesondere die Lebensmittelpreise haben den Anstieg der Produktions- und Lieferkosten (z.B. dramatisch gestiegene Ölpreise) noch nicht nachvollzogen. Die monatelangen Lockdowns haben in vielen Ländern zu gewaltigen Logistik- und damit Angebotsproblemen geführt. Wenn nun viele Volkswirtschaften wieder zur Normalität übergehen, könnten Nachholeffekte eintreten, die dann auch die Geldumlaufgeschwindigkeit zügig erhöhen könnten. Schon jetzt liegt die offizielle US-Inflationsrate mit 7,9% auf dem höchsten Stand seit vier Jahrzehnten. Wir halten auch zweistellige Inflationsraten für möglich. Da die Weltwirtschaft aber anfällig wie nie geworden ist, werden die Notenbanker die Zinsen nur minimal gegensteuern und nur symbolisch anheben können. Zinssätze von 5% und höher würden hingegen das weltweite kreditbasierte Kartenhaus zum Einsturz bringen.


Zentralbanken sind seit 2012 Nettokäufer vom 17.März 2022 ©Luke Gromen

Wenn die Inflation die Sparkonten auffrisst, können sich Anleger mit physischem Gold und Silber gegen die Kaufkraftverluste schützen. Dabei sind Gold und Silber das ultimative Wertaufbewahrungsmittel ohne Drittparteienrisiko. Das müssen sich nun auch immer mehr Zentralbanken eingestehen, denn die Konfiszierung der Einlagen der russischen Zentralbanken war ein Paukenschlag und Weckruf. Immer mehr Länder werden sich nun aus dem US-Dollar zurückziehen und auf andere Währungen und insbesondere auch auf die Edelmetalle ausweichen. Schon seit Jahren sind die Zentralbanken unterm Strich auf der Käuferseite und damit ein wichtiger Nachfrager am physischen Goldmarkt. Dieser Trend sollte sich mit den jüngsten Entwicklungen weiter verschärfen.

Diese steigende Nachfrage trifft auf einen engen physischen Goldmarkt. So waren beispielsweise die Comex-Goldlieferungen im letzten Jahr bereits mehr als dreimal so hoch wie im 15-Jahres-Durchschnitt. Und auch die Goldmünzenverkäufe der US-Münzanstalt erreichten mit über 1,25 Mio. Unzen den höchsten Stand seit 2009. Gleichzeitig ziehen die Goldverkäufe im chinesischen Einzelhandel an und in Indien erreichten die Goldimporte im Jahr 2021 einen Rekordwert von 55,7 Mrd. USD und waren damit mehr als doppelt so hoch wie noch im Jahr 2020.


US-Fed-Zinssatz vs. Gold in USD vom 16.März 2022 © Bloomberg Intelligence

Insgesamt wird die Inflation also hoch bleiben, während ein Ende der geopolitischen Spannungen leider nicht absehbar ist. Im Gegenteil, vernünftige und friedensstiftende Politiker sind weit und breit nicht zu sehen bzw. nicht in wichtigen Positionen. Der Kampf um die Rohstoffe dürfte daher gerade erst begonnen haben und die Nachfrage nach Gold und Silber sollte hoch bleiben und könnte jederzeit weiter explodieren. 

Als die Fed das letzte Mal begann die Zinsen ab Ende 2015 zu erhöhen, markierte dies den Beginn einer neuen mehrjährigen Hausse am Goldmarkt.

7. Fazit: Gold – Mehrmonatige Korrekturphase hat vermutlich begonnen

Getrieben von der Ukraine-Krise konnte der Goldpreis in weniger als sechs Wochen um fast 300 USD zulegen. Insbesondere die letzten zwei Handelswochen präsentierten sich dabei als eine volatile Achterbahnfahrt. Das deutliche Umkehrsignal aus der Vorwoche in Verbindung mit der nun immer ungünstiger werdenden saisonalen Komponente untermauern die Vermutung, dass der Goldpreis sein Frühjahreshoch gesehen haben dürfte. Die Börsenweisheit, dass „politische Börsen kurze Beine haben“ muss trotz der traurigen Umstände erwähnt werden. Wir gehen daher nun von einer mehrmonatigen Korrekturphase aus, die wohl erst im Früh- oder Hochsommer ihren Abschluss finden dürfte. Idealerweise ergibt sich dann im Bereich der 200-Tagelinie wieder eine gute Kaufgelegenheit.

Kurzfristig haben die Bullen zuvor aber nochmal die Chancen in Richtung von ca. 2.000 USD durchzustarten. Dabei wird insbesondere die altbekannte Marke von 1.960 USD zum Dreh- und Angelpunkt, denn nur wenn die angelaufene Erholung diese Hürde meistert, ergibt sich weiteres Anstiegspotenzial. Dabei könnte sich dann auch noch ein alternatives und super bullisches Szenario entwickeln. Schließlich arbeitet der Goldpreis seit Jahren an einer großen „Tasse mit Henkel“-Formation. Oberhalb von 2.030 und insbesondere oberhalb von 2.070 müssen wir zunehmend davon ausgehen, dass der Ausbruch noch in diesem Frühjahr erfolgt. Spätestens oberhalb von 2.100 USD wäre dieser Ausbruch tatsächlich bestätigt und Gold hätte dann erstmal keine ernstzunehmenden Widerstände mehr vor sich.

Florian Grummes

Edelmetall- und Krypto-Experte

www.midastouch-consulting.com

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